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    Pressebericht 01.06.2006



    Wo der Handschuhkasten die edle Note erhält

    Unternehmergeist Die Firma Schuster in Ampferbach hat sich auf die Beflockungstechnik spezialisiert. Sie ist eine der wenigen in Deutschland, die dreidimensionale Formen bearbeiten kann. Beflockt werden kann fast jede Obefläche.

    AmpferbachWer als Fahrer eines VW-Passats in sein Handschuhkasten langt, spürt eine samtweiche Oberfläche aus Millionen von Textilfasern. Flock nennt man diese Art der Beschichtung. Gut möglich, dass sie in Ampferbach (Gemeinde Burgebrach / Landkreis Bamberg) erzeugt wurde. Dort präsentiert die Firma Schuster täglich 1700 Handschuhkästen für das Modell des Wolfsburger Autoherstellers. Beflockung nennt sich die Technik, um abriebbeständige Oberflächen herzustellen. Das Ampferbacher Unternehmen mit seinen rund 50 Mitarbeitern hat sich zunehmend darauf spezialisiert.

    Dabei stieß Firmenchef Roberto Schuster eher zufällig auf Beflockung. „Ein Kunde hat gefragt, ob wir nicht eine Fensterschacht – Leiste beflocken könnten“, erzählte er. „Damals wusste ich nicht einmal, was Beflocken ist.“

    Doch Schuster informierte sich und belegte Seminare. Schnell merkte er, dass es nur  spärliche Erfahrungen mit dieser Technik gab. Weil es den Beruf „Beflocker“ nicht gebe, müssen laut Schuster noch heute alle Mitarbeiter erst von der Firma angelernt werden.

    Als Schuster 1999 für das Belfocken entschied, hatte er bereits eine Firma aus dem Nichts aufgebaut. Zusammen mit seiner Frau Edith Beßner machte sich der gelernte Industriemeister im Oktober 1995 selbstständig. In ihrem Wohnhaus bauten die Eheleute Kunststoff-Teile für die oberfränkische Automobilzulieferer zusammen – eine Arbeit, die in der Branche als Konfektionierung bezeichnet wird.

    Rastante Entwicklung

    Nach einem halben Jahr stellte Schuster bereits die ersten drei Mitarbeiter ein. 1997 ließ sich der Gründer mit seiner Metall & Kunstsoff Konfektions GmbH in Ampferbach nieder.

    Heute betreibt das Unternehmen auf 1100 Quadratmetern Fertigungsfläche nur noch zu einem Fünftel die Konfektions- und Sektionsarbeiten (zum Beispiel Aussortieren von Teilen unter einem Mikroskop). „Ich habe erkannt, dass Konfektionierungsarbeiten aus Kostengründen immer mehr ins Ausland verlagert werden“, sagt Schuster. Auf der 200 und 2004 jeweils erweiterten Produktionsfläche setzt der 40-Jährige daher künftig auf die Beflockung.

    Woher der Name kommt, weiß Schuster allerdings selbst nicht genau. Ein Blick in die Fertigung lässt die Herkunft jedoch erahnen. Schließlich rieseln die Textilfasern in unterschiedlichen Farben (häufig auch weiß) wie Schneeflocken auf eine vorgeklebte Fläche und werden dabei elektrostatisch aufgeladen. Ob auf Kunststoff, Metall, Holz, Glas, Keramik oder Papier – Beflockung ist heute überall möglich. T-Shirts werden bei der Ampferbacher Firma aber nicht bearbeitet. Hier gibt es genügend andere Anbieter, sagt Schuster. Außerdem sei dies nicht allzu schwierig. Hier gehe es nur um eine glatte Fläche.

    Edel und sehr beständig

    Dagegen bietet die Firma Schuster eine so genannte dreidimensionale Beflockung. Neben den Handschuhkästen werden Decken–Elemente in Wohnwagen, Schmuckkästchen oder Türgriffe beflockt. „ Das Beflocken ist nicht billig“, gibt Schuster zu. Aber es sei edel und sehr beständig. Nach seinen Angaben gibt es in Deutschland nur vier Firmen, die eine maschinelle 3D-Beflockung anbieten können. Zwei davon produzieren ausschließlich im Ausland.

    Konkurrenz fürchtet Schuster nicht. Man brauch Jahr, um die Technik anwenden zu können. Etwa müssten Luftfeuchtigkeit und Temperatur passen. Oder der Klebstoff müsse entsprechende aufgetragen werden.

    Die Zukunft der Firma ist daher die Beflockung. Das zeigen Schusters Pläne. Er will 250 000 Euro in eine weitere Maschine investieren und die Mitarbeiterzahl noch heuer erhöhen.

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